Warum ich plötzlich grüne Dinge sammeln musste

Montag, 29. Dezember 2025 - 21:48 Uhr  |  Kategorie: Games

Metroid Prime 4: Beyond für die Nintendo Switch 2 nimmt sich am Anfang sehr zurück. Wie ich finde, etwas zu sehr. Kaum Gegner, viel Raum, zu wenig Gefahr. Erst im Laufe der rund 14 Stunden Spielzeit zieht es etwas an. Bereits besuchte Gebiete füllen sich nach und nach mit mehr Gegnern, je mehr man in der Story voranschreitet. Das ist zwar keine Metroid-typische Idee aber sie funktioniert.

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Was weniger funktioniert, ist die Wüste. Ehrlich gesagt hat die mich wirklich ordentlich genervt. Nicht, weil sie schwer ist oder besonders feindlich, sondern weil sie leer ist und der wenige Inhalt sich auch noch massiv wiederholt. Viel Strecke, wenig Gaming. Dazu kommen die Funksprüche. Kaum ist man unterwegs, wird einem schon gesagt, wo es weitergeht. Das passiert viel zu schnell und viel zu oft. Ein Metroid-Fan so wie ich lebt davon, dass man selbst denkt, probiert, sich verirrt. Hier wird man manchmal behandelt, als würde man einen Controller zum ersten Mal in der Hand halten. Weniger Hinweise hätten es auch getan und den Spielspaß nicht verringert.

Technisch gesehen gibt es übrigens wenig zu meckern. Die Switch 2 im Handheld-Modus mit 1080p sieht wirklich richtig sauber aus und selbst gedockt gibt das Spiel mit mindestens 60 FPS ordentlich was her. Die klassische Ball-Action ist übrigens auch wieder enthalten, wie immer inklusive kleiner Puzzles, die genau die richtige Größe haben. Nicht zu kompliziert, teilweise sehr kreativ, einfach gut. Das fühlt sich nach Metroid Prime an.

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Vi-O-La ist so ein Thema, bei dem ich erst skeptisch war. Das Bike-Tutorial wirkt, wie ich finde, extrem aufgesetzt und fast schon arcadig, als würde dieser Teil aus einem anderen Spiel stammen. Aber Samus als Biker? Das ist überraschend passend. Vi-O-La ergänzt sie gut, ohne ihr die Identität wegzunehmen. Die Idee so wie die Umsetzung passen besser, als man zuerst denkt.

Die Bosse in Prime 4 sind durchgehend stark. Die Moves lesbar, die Kämpfe fordernd und dabei immer spaßig. Das sind die Momente, in denen das Spiel zeigt, was es eigentlich kann. Was allerdings irritiert: Samus hat in allen Zwischensequenzen keine Stimme. Gar keine. Das wirkt nicht cool oder ikonisch, sondern einfach nur extrem seltsam. Bei Doom funktioniert das als humorvolles Stilmittel, hier fühlt es sich eher danach an, dass der Voiceover bis zum Spielende nicht fertig war, daher hat man dieses "Feature" gestrichen.

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Und dann gibt es noch den Elefanten im Raum: Diese elenden grünen Kristalle, um die Memory Fruit zu erhalten. Das ist der absolute Tiefpunkt im Spiel. Keine Spannung, kein Mehrwert, nur dröge Laufarbeit. Wie schafft es so etwas in ein fertiges Spiel von Nintendo? Wieso hätte man diese Quest nicht optional machen können? Wieso hätte man nicht bei 1/4 der Kristalle gesagt, hier hast du die Memory Fruit, geh zum Endboss, wenn du es schaffst, falls nicht darfst du gerne noch den Rest farmen... aber nein, das hätte das Spielerlebnis ja um knappe 2 Stunden gekürzt -.-

Metroid Prime 4: Beyond ist kein schlechtes Spiel. Es ist oft gut, stellenweise sehr gut. Aber es ist auch zu unvollständig, zu erklärfreudig und an manchen Stellen unnötig leer. Ein Spiel mit starken Momenten, das scheinbar für eine große Zielgruppe geschaffen wurde, um noch mehr Geld zu verdienen. Somit gilt: Wenn du versuchst, allen zu gefallen, wirst du am Ende niemandem gefallen.


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